Blockchain Notare

R.I.P. lieber Notar – Wie die Blockchain Notare ersetzen könnte

Wir leben in einer seit Jahren andauernden Niedrigzinsphase. Daraus resultierend haben viele Menschen ihren Traum verwirklicht, ein Eigenheim zu erwerben. Kapitalanleger versprechen sich eine bessere Rendite, in Immobilien zu investieren anstatt das Geld auf einem Tagesgeldkonto, Sparbuch o.ä. liegen zu lassen. Womöglich müssen sie dafür noch Strafzinsen zahlen, anstatt einen Gewinn aus dem eigenen Kapital zu erlösen.

 

Kaufnebenkosten bei Immobilien

Eine Immobilie zu erwerben hat damit seinen Reiz. Zu beachten gilt dabei, dass jeder Kauf einer Immobilie neben dem eigentlichen Kaufpreis mit zusätzlichen Kosten verbunden ist. Diese Nebenkosten können durchaus mehr als 10 Prozent betragen, den man zusätzlich zum vereinbarten Preis zu zahlen hat. Dieses Geld erhält natürlich nicht der frühere Eigentümer des Objekts, sondern andere Parteien möchten ein Stück abhaben vom Kuchen.

Der Staat verlangt eine Grunderwerbssteuer, welche je nach Bundesland zwischen 3,5% und 6,5% des Kaufpreises liegt. Ist ein Makler bei dem Geschäft involviert und muss man ihn käuferseitig entlohnen, erhält dieser eine stattliche Maklerprovision von 3% bis 7% vom Preis.
Neben weiteren möglichen Kostenpunkten sind auf jeden Fall die Gebühren für den Notar und den Grundbucheintrag zu beachten. Diese sind regional unterschiedlich, betragen jedoch etwa 1,5% (davon fließen 0,5% für den Grundbucheintrag und 1% gehen an den Notar).

 

Die Arbeit eines Notars

Grundsätzlich ist die Hauptaufgabe eines Notars, Rechtsgeschäfte jeglicher Art zu beurkunden. Dies betrifft neben GmbH-Gründungen oder der Beurkundung von Testamenten eben auch das Grundstücksrecht. Ein Kaufvertrag erhält bei Immobilien seine rechtliche Wirkung erst durch notarielle Beurkundung. Immobilienkäufer können sich über die entstehenden Zusatzkosten ärgern. Dabei hat der Notar seine Daseinsberechtigung. Da Immobiliengeschäfte kompliziert werden können, schützt der Notar beide Seiten – den Verkäufer und den Käufer. Er nimmt eine neutrale Vermittler-Rolle zwischen den Parteien ein.

 

Blockchain Notar

Die Blockchain für die Beglaubigung

Eines der Grundeigenschaften und Ziele der Blockchain ist die Unmöglichkeit, Transaktionen zu manipulieren und Daten zu fälschen. Damit könnte diese Technologie einen Ersatz für den Notar darstellen, welcher durch seine unabhängige Rolle und sein Amt ebenso für diesen Schutz sorgt. Jeder Eintrag, der normalerweise im Grundbuch erfolgt, würde in einem Blockchain-Netzwerk hinterlegt werden. Hier bleibt er dauerhaft bestehen und kann nicht verändert werden. Damit könnte dieses Netzwerk die rechtliche Stellung erhalten, wie das Grundbuch sie hat. Die teuren Gebühren für den Notar wären damit obsolet. Gerade für kleinere Investment reizt diese Aussicht sehr, da hier die Notar-Gebühren einen bemerklich größeren Anteil betragen.

Es gibt Anbieter, welche das Hinterlegen von Dokumenten in der Blockchain bereits anbieten. Dazu gehören stampd oder Proof of Existence. Diese können genutzt werden, um eine alternative Herangehensweise umzusetzen, die Echtheit von Dokumenten zu garantieren. Darin könnte eben der Kaufvertrag hinterlegt werden. In Zukunft würden alle Teilnehmer des Netzwerks wissen, dass diese Transaktion stattgefunden hat und legitim war. Dies bedeutet, ein Eigentümerwechsel wäre ohne Grundbucheintrag möglich. Zwar kostet die Legitimation über die Blockchain auch eine geringe Gebühr. Im Vergleich zu den Notarkosten sind diese jedoch lächerlich niedrig.

In Honduras soll das Grundbuch bereits abgeschafft worden sein. Als Ersatz dient hierfür eien Blockchain-Lösung.
Schweden kooperiert mit einem Startup (chromaway), dass Immobiliengeschäfte auf der Blockchain laufen lassen möchte und damit eben auch Grundbucheinträge. In Schweden sollen jährlich 100 Millionen Euro Ersparnis erreicht werden. Diese immense Summe sei zurückzuführen auf Kosten für die Bürokratie aber auch für kriminelle Handlungen.
Wie so oft, kann es in Deutschland länger dauern, bis bahnbrechende Technologien die Akzeptanz finden und rechtliche Zustimmung. Denkbar ist der Einsatz als Grundbuchersatz auf jeden Fall. Die Technologie ist vorhanden und andere Länder machen es schließlich vor.

Verlieren Notare ihre Jobs durch die Blockchain?

Die Befürchtung ist natürlich berechtigt, dass Notare ihre Jobs verlieren können. Etabliert sich die Blockchain als Ersatz für Grundbücher und Kaufvertragsbeurkundungen, würde zumindest in diesem Bereich ein Notar überflüssig werden. Aber auch in anderen Tätigkeitsfeldern der Notare wie im Erbrecht (Testamente) kann es ähnliche Lösungen geben wie für’s Grundbuch. Eine Gefahr besteht so tatsächlich für diese Arbeitsplätze. Vielleicht ist die Sichtweise zu dramatisiert, dass viele Notare ihre Arbeitsstellen verlieren. Wie dem auch sei: Wichtig ist es für diese Berufsgruppen, sich diesen neuen Technologien nicht zu verschließen. Eine Auseinandersetzung damit empfiehlt sich, um Schritt zu halten mit dem Wandel der Zeit.

Ähnlich ist es außerdem mit Banken. Mit virtuellen Währungen kann für Kreditinstitute das Risiko bestehen, überflüssig zu werden. Dies haben einige Player der Finanzbranche entdeckt und sehen diese vermeintliche Herausforderung als Chance. Die Banc of America bspw. hat in die Blockchain investiert. Dies verdeutlicht, dass eine frühzeitige Konfrontation dabei helfen kann, sogar erfolgreicher zu werden anstatt Angst um den Job haben zu müssen.

Ein weiterer Gesichtspunkt auf den möglichen Verlust von Arbeitsplätzen ist die Beschränktheit der Blockchain. Ohne Frage, die Echtheit der Dokumente in der Blockchain ist unbestreitbar. Dies führt zu der Idee, das Grundbuch zu ersetzen. Andere rechtliche Fragestellungen werden aber vernachlässigt. So könnte ein Verkäufer etwa abgehalten worden sein, an der Transaktion teilzunehmen. Ob die Transaktion dann noch legitim ist, ist die Frage. Denn für ein Geschäft muss jeder Vertragspartner willentlich sein Zugeständnis geben. Niemand darf dazu gedrängt worden sein, um die Rechtskräftigkeit zu wahren.

 

 

Wie ihr seht, Grundbücher zu ersetzen durch die Blockchain ist ein spannendes Feld. Das Potenzial ist ganz klar gegeben. Länder wie Schweden zeigen, dass es umsetzbar ist. Die Blockchain kann so Immobiliengeschäfte günstiger machen oder Steuergelder sparen.
Auf der anderen Seite gilt es, weitere Blickpunkte zu beachten. Es ist gut möglich, dass Notare nicht ohne Weiteres durch die Blockchain ersetzt werden können. Um dieser Technologie dennoch nicht ausgeliefert zu sein und seinen Job u.U. zu verlieren, empfehle ich diesen Berufsgruppen, am Ball zu bleiben und bestmöglich die Blockchain als Chance zu sehen.

Ich bin gespannt, wie es in einigen Jahren ausschauen wird auf diesem Gebiet. Was hältst du von der Idee der Blockchain als Notarersatz? Ist es realistisch, ferne Zukunftsmusik oder überhaupt nicht denkbar? Wie immer freue ich mich auf deinen Kommentar.

Bis bald auf meinem Blog!

Blockchain - Game Changer in der Logistik

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